A01 Erste Laufzeit: Teilhabe und Dissoziation: Spannungen politischen Theaters im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart
Das Teilprojekt untersuchte in der ersten Laufzeit (2022-2026) Teilhabe und Dissoziation als Wirkungsdynamiken politischen Theaters. Im Fokus der Forschung stand die Tradition des aktivistischen Theaters, die in der Gegenwart – im Zeichen von globalen Protestbewegungen und digitalen Vernetzungschancen – neuen Auftrieb erhält. Eine Ausgangsbeobachtung des Teilprojekts war, dass Darstellungsformen, die in der Tradition des Agitproptheaters der 1920er- und 30er-Jahre stehen, konfrontieren ihr Publikum oft mit Modellen von Kollektivität, die zwar im Modus des Als-ob hervorgebracht werden, aber von den Zuschauenden als reale politische Interventionen wahrgenommen und ‚umgesetzt‘ werden sollen. Wenn Theater politisch interveniert, trägt es in die Konflikte und Kontroversen des Politischen eigene Unterscheidungen ein: etwa jene zwischen Agierenden und Zuschauenden oder zwischen Teilnehmenden und Außenstehenden. Ob das Versprechen der Teilhabe, das viele aktivistische Theaterformen implizieren, unter solchen Voraussetzungen überhaupt tragfähig ist, wurde im Projekt an Krisenphasen des politischen Theaters um 1930 (Unterprojekt UP 1), um 1968 (UP 2) und in der Gegenwart (UP 3) untersucht. In den Unterprojekten wurde gefragt inwiefern theatrale Gemeinschaften und performative Verfahren der Kollektivierung und Konnektivität am Ende reale Spaltungen erzeugen. Die Beschäftigung mit diesen Fragen hat zu einem Verständnis der Besonderheiten theatraler Interventionen gegenüber anderen Interventionsformen geführt.
Wissenschaftliche Mitarbeit
Judith Pieper (UP 2 erste Laufzeit, 2022-2026)
Studentische Mitarbeit
Julia Schmit (2023-2024)