B03 Infrastrukturen des Intervenierens: Bedingungen, Gelegenheiten und Wirkungen künstlerischer Interventionen
Kunst greift in gesellschaftliche Verhältnisse ein: Sie besetzt öffentliche Räume, stört gewohnte Abläufe, macht Missstände sichtbar und provoziert Debatten. Aber unter welchen Bedingungen gelingt das? Was brauchen Künstler*innen und Kunstkollektive, um überhaupt intervenieren zu können? Und was entscheidet darüber, ob ihre Interventionen auch wahrgenommen werden und etwas bewegen? Diesen Fragen geht das soziologische Teilprojekt nach. Im Mittelpunkt steht das Konzept der Infrastruktur: Das Projekt fragt, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit künstlerische Interventionen entstehen und wirken können. Dazu gehören Ressourcen, Netzwerke und der Zugang zu Räumen auf Seiten der Künstler*innen – aber auch äußere Bedingungen wie politische Gelegenheitsfenster, mediale Aufmerksamkeit und öffentliche Diskurse. Solche Infrastrukturen sind nicht für alle gleich zugänglich: Wer intervenieren kann und wer gehört wird, hängt auch von gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen ab. Konkret interessiert das Projekt, welche Konstellationen von Bedingungen künstlerische Interventionen erst möglich machen, wie diese Bedingungen mit den ästhetischen Formen und Strategien der Intervention zusammenhängen, und ob es erkennbare Muster gibt, die das Entstehen und die Wirksamkeit von Interventionen erklären. Um das herauszufinden, führt das Projekt Interviews mit künstlerischen Kollektiven und erstellt eine systematische Übersicht künstlerischer Interventionen im deutschsprachigen Raum. Die empirischen Befunde werden mit theoretischen Zugängen aus der Kunstsoziologie, der Protest- und Bewegungsforschung sowie der Soziologie sozialer Ungleichheit verknüpft.
Teilprojektleitung
Prof. Dr. Christian von Scheve (UP 2)
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. Simon Teune (UP 1)