Laura Karoline Rogalski

Wissenschaftliche Mitarbeit B03
Pronomen: sie/ihr
Laura Rogalski studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Sozial- und Kulturanthropologie und Friedens- und Konfliktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Pontificia Universidad Javeriana Bogotá. Während ihres Studiums war sie am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und am Sonderforschungsbereich 1171 „Affective Societies“ tätig.
Seit 2022 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt B03 „Wirksamkeitserwartungen künstlerischer Interventionen“.
Ihr Forschungsinteresse umfasst Kultursoziologie, Kunst- und Literatursoziologie, Praxistheorie, qualitative Methoden, neue Materialismen, Affect Studies, Rechtsextremismusforschung, kritische Theorien und Gesellschaftstheorie.
Dissertationsprojekt: Formen des Eingreifens. Wirksamkeitserwartungen in künstlerisch-intervenierender Praxis
In meiner Dissertation untersuche ich, wie Perspektiven auf und Erwartungen an die gesellschaftliche Wirksamkeit in Praktiken künstlerischen Intervenierens hervorgebracht, verhandelt und begründet werden. Ausgangspunkt ist das Spannungsverhältnis zwischen dem normativen Leitbild der Autonomie der Kunst und einem gegenwärtig steigendem Legitimationsdruck, der die Künste zunehmend unter dem Aspekt gesellschaftlicher Relevanz adressiert.
Theoretisch verortet die Arbeit diese Problematik in der europäischen Ideengeschichte des Verhältnisses von Kunst und Politik sowie in soziologischen Debatten um Ausdifferenzierung, Autonomie und Ästhetisierung. Auf Grundlage eines praxistheoretischen Gesellschaftsverständnisses begreift sie Wirksamkeit nicht als vorab definierte oder messbare Größe, sondern als relationales und situiertes Moment, das zwischen Programmatiken, Poetiken, Selbstverständnissen und konkreten Vollzügen entsteht. Komplementiert wird das „Theorie/Methoden-Paket“ (Star/Clarke) durch die Situationsanalyse. In Rückgriff auf das empirische Material wird rekonstruiert, wie explizite und implizite Wirksamkeitserwartungen in kollektiven Praktiken sedimentiert sind, sich in konkreten Vollzügen materialisieren, aber auch situativ entstehen.
Empirisch basiert die Untersuchung auf einer mehrmonatigen ethnographischen Begleitung eines aktivistischen und eines künstlerischen Kollektivs. Anhand konkreter Projekte werden Spannungen zwischen künstlerischem Anspruch, politischer Effektivität, ethischer Praxis, Inklusionsbestrebungen und institutionellen Rahmenbedingungen analysiert.
Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer empirisch fundierten Soziologie der Künste, die das Verhältnis von Kunst und Politik nicht normativ bestimmt, sondern aus der Analyse situierter Praxis heraus rekonstruiert und den Wirksamkeitsbegriff in seiner historischen und gegenwärtigen Konjunktur theoretisch schärft.
Herausgaben
Intervenierende Intimität. Praktiken, Körper, Künste. Bielefeld: transcript Verlag 2026 (in Vorbereitung). Gemeinsam mit Annika Klanke, Alisa Kronberger und Florian Schlittgen.
Dynamics of the Intransitive. Zürich: Diaphanes 2026. Gemeinsam mit Eva Backhaus, Grit Dommes, Susanne Hauser, Tim Lörke, Henning Podulski und Andrea Schütte.
Drafts in Action. Concepts and Practices of Artistic Intervention. Zürich: Diaphanes 2025. Gemeinsam mit Anna Kipke, Iryna Kovalenko, Simon Teune und Mimmi Woisnitza.
Aufsätze
Mehr-als-menschliche Intimität? Künstlerisch-wissenschaftliche Kooperationspraktiken in der Arbeit OderHive, in: Annika Klanke/Alisa Kronberger/Laura Rogalski/Florian Schlittgen (Hg.): Intervenierende Intimität. Praktiken, Körper, Künste. Bielefeld: transcript Verlag 2026 (in Vorbereitung).
Wirksamkeit der Künste und intervenierende Praxis, in: Jürgen Brokoff/Karin Gludovatz/Matthias Warstat (Hg.): Intervenierende Künste. Begriffe, Verfahren, Prozesse. Zürich: Diaphanes 2026, S. 219–244. Gemeinsam mit Simon Teune und Christian von Scheve.
Intransitive Interventions. An Introduction, in: Eva Backhaus/Grit Dommes/Susanne Hauser/Tim Lörke/Henning Podulski/Laura Rogalski/Andrea Schütte (Hg.): Dynamics of the Intransitive. Zürich: Diaphanes 2026, S. 7–16. Gemeinsam mit Eva Backhaus, Grit Dommes, Susanne Hauser, Tim Lörke, Henning Podulski und Andrea Schütte.
Rethinking Objectives, Theory, and Practice. Studying Artists’ and Activists’ Perspectives on Impact in Empirical Research, in: Anna Kipke/Iryna Kovalenko/Laura Rogalski/Simon Teune/Mimmi Woisnitza (Hg.), Drafts in Action. Concepts and Practices of Artistic Intervention, Zürich: Diaphanes 2025, S. 123–136.
Von Schreibschulen und Pegida-Verstehern. Neurechte Literaturkritik, in: Soziologiemagazin 2022 (1), doi: 10.3224/soz.v15i1.06, S. 77–94.
Rezensionen
Bedingt autonom. Kunstaktivismus im Brexit, in: Artis Observatio 4 (2025), S.161-165.
Kleinere Arbeiten (Auswahl)
»Eine Mark mehr« und zwei Generationen später, in: neues deutschland, 23.01.2024.
Queere Dissidenz gegen Pinochet, in: neues deutschland, 19.12.2023.
Vorträge
Aesthetic Experimentation With Alternative Futures: Collaboration in the Transdisciplinary, Immersive Performance OderHive. Cultural Vulnerabilities and Planetary Problems. ESA RN Sociology of Culture 10th Mid-term Conference, Sapienza Università di Roma, 21.-23.01.2026.
Jenseits der Feldlogik: Künstlerisch-intervenierende Praktiken zwischen Kunst und Aktivismus. Transitionen. 42. DGS-Kongress, Universität Duisburg-Essen, 22.-26.09.2025.
Between Disruption and Collaboration: Artistic Interventions in Late Capitalist Society. Questioning Artistic Hegemony. ESA RN Sociology of the Arts 13th Mid-term Conference, Universitat Autònoma de Barcelona, 08.-09.09.2025.
Literaturkritik, Gesellschaftskritik und die Neue Rechte. Kulturelle Hegemoniestrategien der Neuen Rechten. Interdisziplinärer Fachtag, Literaturforum im Brecht-Haus, 25.03.2025.
OderHive. Kollektivität in künstlerisch-intervenierenden Praktiken der sozialökologischen Krise. Die Kunst in der sozialökologischen Krise / Die sozialökologische Krise in der Kunst. Jahrestagung des AK Soziologie der Künste in Kooperation mit der Sektion Umwelt und Nachhaltigkeitssoziologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 06.-07.03.2025.
Wirksamkeit als Aufmerksamkeitsproblem aktivistischer Kunst? Eine praxeologische Perspektive auf Spannungen kunstaktivistischer Praxis. Aufmerksamkeitsökonomien in der Kunst. Events, Inszenierungen, Skandale.
Kooperationstagung der Sektion Kultursoziologie und des AK Soziologie der Künste, Universität Leipzig, 24.-25.10.2024.
Perspectives On The Impact Of Artistic Interventions. Observations From Fieldwork Within A German Activist Choir And Orchestra. Tension, Trust and Transformation. 16thESA Conference, Universidade do Porto, 27.-30.08.2024.
Wirksamkeit der Künste und intervenierende Praxis. Ringvorlesung Intervenierende Künste. Politische und ästhetische Potentiale, Freie Universität Berlin, 07.05.2024. Gemeinsam mit Christian von Scheve und Simon Teune.
Die Situationsanalyse nach Adele Clarke und ihr Potential für die Forschung an der Schnittstelle von Kunst und Aktivismus. Methoden der Bewegungsforschung. Jahrestagung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung, Humboldt-Universität zu Berlin, 15-16.09.2022.
Wirksamkeitserwartungen an künstlerische Interventionen. Plurale Verschränkungen. Jahrestagung des AK Soziologie der Künste, Humboldt-Universität zu Berlin, 13.-14.10.2022. Gemeinsam mit Simon Teune.
Podiumsdiskussionen
Im Brennpunkt: Neurechte Literaturpolitik, Literaturhaus Frankfurt, 08.12.2025. Gemeinsam mit Torsten Hoffmann, Alexander Fischer und Hauke Hückstädt.
Aussgestrahlt in der Sendung Literaturland Hessen (hr2): Neue Rechte Literaturpolitik.
Formate neurechter Literaturpolitik. Auftaktveranstaltung zum Buchmarkt der unabhängigen Verlage Hamburg. Vortrag und Gespräch mit Else Laudan. Universität Hamburg, 04.12.2025. Organisation: Studis gegen Rechts und Green Office.
Kunst und Aktivismus, Gespräch im Rahmen der Ausstellung Herausgeforderte Gemeinschaft, Kunstmuseum Magdeburg, 05.11.2025. Gemeinsam mit Marina Naprushkina und Dr. Annegret Laabs.
Book Launch & Gespräch Drafts in Action, Espace DIAPHANES Berlin, 13.10.2025. Gemeinsam mit Anna Kipke, Judith Siegmund und Iryna Kovalenko.