A04 Polyphonie als experimentelle Sozialität. Dynamiken von Berührung und Begegnung
Das musikwissenschaftliche Teilprojekt konzentriert sich in der zweiten Laufzeit (2026-2029) auf eine weitere Dimension der sozialen Dynamik musikalischer Polyphonie und fragt nach den taktilen Strukturen, innerhalb derer zeitgenössische Musik ihr intervenierendes Potential entfaltet. Die geplanten Arbeiten folgen der Hypothese, dass Momente des Berührens und der Betroffenheit entscheidend für die Verwirklichung musikalischer Interventionen sind. Die Untersuchungen stützen sich auf multisensorielle Verständnisse des Berührens als Unterbrechung, Bewusstwerdung, aber auch Beziehungsfähigkeit, wie sie besonders in den Philosophien Jean-Luc Nancys und Jacques Derridas entwickelt worden sind. Der Sensibilisierung für eine nicht eurozentristisch gedachte Polyphonie soll darin gefolgt werden, Unterbrechungen und Zwischenräume sinnlicher Berührung relational als Interventionsräume neu zu identifizieren und aus dieser Identifikation heraus ihr politisches Potential zu begreifen.
Mit Blick auf die freien Szenen der experimentellen Musik, des Musiktheaters und der Klangkunst in Berlin und London werden die beiden Unterprojekte polyphone Interventionen in ihren spezifischen Infrastrukturen analysieren. Besonders in digital-analogen Interventionen wird das Teilprojekt an der Schnittstelle von Körperlichkeit und Kodierung untersuchen, wie Polyphonie Berührungen und Begegnungen in Musik als diskrete Vielheit (singulier pluriel) immer mehr ausdifferenziert und politisch auflädt. Im Verbund des SFB erforscht das Teilprojekt in der Area A „Teilhaben – Trennen“ Wirkungszusammenhänge zwischen transformativen Erfahrungen in musikalischen Interventionen und ihren infrastrukturellen Verfestigungen.
Teilprojektleitung
Prof. Dr. Ariane Jeßulat (UP 1)
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. Jasmina Samssuli (UP 2)