A06 Künstlerische Lebenspraxis als Intervention: Migrierende Praktiken
Wie verändern Flucht, Exil und Migration künstlerische Praktiken? Und wie verändern diese Praktiken ihrerseits die Kontexte, in die sie einwandern? Diese Fragen stehen im Zentrum des Teilprojekts, das künstlerische Interventionen unter den Bedingungen transkultureller Bewegungen nach 1945 untersucht.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Migration keine bloße Ortsveränderung ist. Wenn sich Künstler*innen auf Reisen begeben, tragen sie neben den eigenen Körpern auch Formen, Verfahren und Praktiken mit, die Teil neuer sozialer, kulturelle rund institutioneller Gefüge werden. In den Phasen Weggang, Transit und Ankunft entstehen Zwischen- und Handlungsräume, in denen sich künstlerische und gemeinschaftliche Lebensweisen neu gestalten. Das Projekt fragt, wer und was migriert (Akteur*innen, Bildsprachen, pädagogische Konzepte, Organisationsformen) und wie der jeweilige Modus des Reisens (Exil, Flucht, Sendung) die Wirkweise dieser Praktiken prägt.
Drei Fallstudien bilden den Kern der kontrastiven Untersuchung: UP 1 befragt die Wanderung modernistischer Formensprache und Bildungskonzepte zwischen Italien und Brasilien; UP 2 widmet sich der Rückkehr exilierter und verbannter proletarisch-revolutionärer Laientanz- und Theaterpraktiken in der frühen DDR; UP 3 nimmt die Gründung der jüdischen Kulturinstitution Casa do Povo in São Paulo durch emigrierte Jüd*innen in den Blick. Die Koordinaten der drei Fälle kreuzen die etablierten Achsen Nord-Süd und Ost-West und brechen damit lineare Migrationsnarrative auf.
Teilprojektleitung
Prof. Dr. Beate Söntgen (UP 1)
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. Mimmi Woisnitza (UP 2)
Ana Druwe (UP 3)