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Prof. Dr. Lucia Ruprecht

Teilprojektleitung B02

Pronomen: sie/ihr

Lucia Ruprecht bearbeitet im TP B02 das Unterprojekt (UP) 4 mit dem Titel Dekolonisierende und ökologische Techniken in performativen Tanzhistoriographien und Bewegungsgeschichten. Dieses widmet sich dem transformierenden intervenierenden Potential von zeitgenössischem Bühnentanz auf zweifache Weise: zum einen nimmt es in den Blick, wie Tanz sich in dekolonisierenden und ökologischen Techniken mit Zeitlichkeit und Historizität auseinandersetzt; zum anderen hat es das Ziel, im bewegungsanalytischen Aufgreifen dieser Techniken die eigene Begriffsbildung zu reflektieren und zu entwickeln. Aktuelle tänzerische Arbeiten intervenieren einerseits performativ in die (Tanz-)Geschichtsschreibung, andererseits befassen sie sich mit der Tiefenzeit einer Bewegungsgeschichte mehr-als-menschlicher Organismen. Damit setzen sie Impulse für die wissenschaftliche Konzeptualisierung, und zwar auch in Bezug auf den Interventionsbegriff selbst, so die These des UP. Ausgangsbeobachtung ist, dass die hier betrachteten Arbeiten der Choreograph*innen Ligia Lewis, Amanda Piña, Agata Siniarska und Christos Papadopoulos Techniken bereitstellen, deren dekolonisierende und eco-kritische Methodologien neue Interventionsbegriffe implizieren. Lewis befasst sich mit dem Skandal des zu großen Teilen nicht überlieferten bzw. noch nicht bearbeiteten Schwarzen Archivs und dessen Nachleben in der Gegenwart, zu dem sie formatübergreifende afropessimistische Fabulierungen entwickelt (Still not Still, 2021; A Plot / A Scandal, 2022); in einer ihrer jüngsten Arbeiten widmet sie sich dem Re-Imaginieren des Begriffs des Volkes jenseits des Nationalen (Some Thing Folk, 2025). Piña wendet sich in ihrem Reenactment Exótica: On the Brown History of Modern Dance (2023) in einer zwischen Ritual und Inszenierung schillernden Geisterbeschwörung nahezu unbekannten, queeren, nicht-weißen Tänzer*innen der Moderne zu. Piñas Interesse an „endangered human movements“, so der Titel ihres übergreifenden Projekts, richtet sich darüber hinaus auf indigene Amerindische Epistemologien, die von einer Interdependenz des Menschlichen und des Mehr-als-Menschlichen ausgehen und Tanzgeschichte in der Tiefenzeit einer in performativen Skulpturen erscheinenden Bewegungsgeschichte z.B. von Wasserorganismen verankern (To Bloom/Florecimiento, 2024). Siniarska zeigt in ihren Arbeiten den Zeitstrahl dieser Bewegungsgeschichte als einen, der sich sowohl in eine geologische Vergangenheit als auch in eine post-katastrophische Zukunft erstreckt (null&void, 2023). Papadopoulos’s Mikrochoreographien, herausragend im von Pilzfasern inspirierten Stück Mycelium (2023), ermöglichen Beobachtungen zu abstrakt gehaltenen öko-ästhetischen Bewegungs-Strukturen. Ziel des UP ist es, unter Anwendung einer choreographisches Wissen miteinbeziehenden praxeologischen Methode dazu beizutragen, eine bislang noch nicht existierende Theorie choreographischen Intervenierenszu entwickeln.