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Workshopreihe "Beziehungsweisen und Umgebungswissen"

Angesichts aktueller globaler Krisenbefunde entwerfen jüngere theoretische Positionen neue Weltverhältnisse. Gegen die Vorstellung souveräner, eigenverantwortlicher Subjekte setzen diese auf Formen wechselseitiger Bezogenheit von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen, auf Solidarität, Zuwendung und Fürsorge. Dekoloniale und queer-femistische Denkansätze verstehen sich wie die neuen Ökologien als gesellschaftlichen Widerstand gegen eine anthropozentrisch-individualistische Weltordnung.

Diese Entwicklung zeichnet sich auch in den Künsten ab, etwa in partizipatorischen Praktiken, in den social arts oder in fiktionalen Geschichtsentwürfen. Diese Kunstpraktiken entwerfen und erproben alternative Gemeinschaftsformen, Lebens-, Arbeits-, und Beziehungsweisen. Zudem versuchen sie, vergessene oder aus der Geschichte heraus geschriebene Lebenswirklichkeiten in ihrer räumlichen, institutionellen und global-politischen Situiertheit sichtbar, erlebbar und erinnerbar zu machen.

Die Workshopreihe widmet sich der Frage, wie derart verstandene Beziehungsweisen zwischen Menschen, Räumen, Dingen und Umwelten in künstlerisch-gestalterischen Praktiken zur Darstellung kommen. Ein besonderer Akzent liegt auf Fragen des Raums und auf Genres, die soziale Gefüge strukturieren oder diese erst bilden, wie etwa Tanz und Theater, Körper-, Klang- und Raumkünste, Architektur, installative und kuratorische Praktiken. Wie konstitiuieren Beziehungen Räume des Lebens, Wohnens, Liebens, Spielens, Denkens und Handelns? Wie können die hierarchischen Strukturen, die die Gestaltungsmöglichkeiten öffentlicher wie privater Räume unweigerlich bedingen, durch künstlerische Verfahren sichtbar gemacht und womöglich verschoben, unterwandert oder gesprengt werden? Welche Selbstverständnisse sind öffentlichen wie privaten Räumen und den Beziehungsweisen, die sich in und zwischen ihnen abspielen, eingeschrieben? Und inwiefern können historiographische Neuverortungen marginalisierter, randständiger und widerständiger Phänomene diese Selbstverständnisse in Frage stellen und konstruktiv verändern?

Es werden Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Akteur*innen aus unterschiedlichen Praxis-Feldern eingeladen, um ausgehend von einer künstlerischen Arbeit oder einem Text miteinander zu diesen Fragen ins Gespräch zu kommen.

An der Workshop-Reihe sind die Teilprojekte A06, B02, B05 und B06 beteiligt.

2022

Asja Lacis’ Manifest „Neue Richtungen in der Theaterkunst“ (1921)
konzipiert von Konstanze Schmitt und Mimmi Woisnitza (A06)